Aeham Ahmad

—————————————————————————–

Pressemitteilung

Ein gelungenes Konzert für Frieden und kulturelles Miteinander

Der Pianist Aeham Ahmad und sein Gast Steven Schofield (Saxofon) spielten einen überragenden Auftritt in der Scharoun-Aula. Ceylan Arslan las aus dem von Aeham Ahmad soeben herausgegebenen Buch „Taxi Damaskus“. Die CIJAG ist erfreut und dankbar, dass sie wieder diesen international Ausnahmekünstler zu ihrem Abrahamsfest begrüßen konnte.  Ebenso dankt sie ihrem jungen Moderator*innen-Team aus den eigenen Reihen. Wir danken auch der Marler Presse für ihre ausführliche, würdigende Berichterstattung.

Marl. 7.November. Auf den syrischen Pianisten Aeham Ahmad ist Verlass. Auch darauf, dass keiner seiner Konzertauftritte wie der andere ist. Diesen Eindruck teilte auch Aeham Ahmads Manager Achim Schulz, der den Pianisten seit September auf seiner internationalen Tour begleitet. Tatsächlich war das Konzert in der Scharoun-Aula ein völlig anderes Erlebnis im Vergleich zum Streaming-Auftritt beim vorigen Abrahmsfest. In punkto Vielschichtigkeit hat Aeham Ahmads Liveperformance sogar noch zugelegt:

Spektakulär war gleich der Einstieg zum Konzert: Eine Variation über das Volkslied „Die Gedanken sind frei“, welches Aeham Ahmad nicht nur durch Dur und Moll, sondern auch durch arabische Skalen und ganz viele Jazz-Harmonisierungen auf die Reise schickte. Sein Umgang mit Tempi, Dynamik und radikalen Kontrastwirkungen ist atemberaubend. Als weiteres „Instrument“ wirkte seine Stimme in ergreifenden Gesangslinien. Auch wenn die Songtexte auf dem Cover der neuen CD in Übersetzung abgedruckt sind, so berührt die Emotionalität unmittelbar jedes Hintergrundwissen. Aeham Ahmad war an diesem Abend nicht allein: Wie eine weitere Stimme klinkte sich das Saxofonspiel von Steve Schofield ein. Phasenweise griff er zum Electronic Wind Instrument, einer Art „Synthesizer zum Hineinblasen“, der in der Popmusik der 1980er Jahre viel zum Einsatz kam, hier aber viel sphärischer, fast psychedelisch daher kam.

Das Konzert bekam einen Bezugspunkt, der sehr eindringlich aufs Publikum wirkte: Aeham Ahmads neues, zweites Buch. „Taxi Damaskus“ ist eine Sammlung von nicht-fiktionalen Berichten eines Cousins von Aeham, der in Damaskus seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren verdient. Näher als in diesem Beruf kann keiner an der schwierigen, nicht selten schockierenden Nachkriegswirklichkeit in diesem geschundenen Land dran sein! Da der Abend mit „Music for Hope“ betitelt war, wirkte es angemessen, dass nicht die allerdrastischsten Passagen dieses Buches zum Vortrag kamen. Der Erwerb und das Weiterlesen sei aber ausdrücklich empfohlen. Die in knapper Form gehaltenen Berichte aus „Taxi Damaskus“ gehören zu den ungefiltertsten Primärquellen über die Folgen eines sinnlosen und chaotischen Krieges auf die Zivilbevölkerung. Auf die von Ceylan Arslan vorgetragene Schilderung von den desolaten Trümmerwüsten des palästinensischen Füchtlingslagers Yarmouk, dem einstigen Lebensmittelpunkt von Aeham Ahmad, reagierte dieser Musiker besonders emotional: Dunkle, atemlos wiederholte Akkordfolgen auf dem Klavier erzeugten eine bedrohliche und extrem kraftvolle Klangfläche, zu der Steven Schofield auf einer orientalischen Flöte einen Klagegesang anstimmte. Als echtes Zeichen der Hoffnung wirkte schließlich das Finale: Nochmal rückte Aeham Ahmad in seiner universellen Tonsprache einem symbolträchtigen Standard aus der deutschen Klassik zu Leibe, Beethovens „Ode an die Freude“.

Auch André Buttler, Dirigent der Jungen Vielharmonie zeigte sich von der fundierten Spielkultur Aeham Ahmads beeindruckt, ist sie doch Bestätigung für ein ambitioniertes Vorhaben im nächsten Jahr. Am 19. November 2022 kommt ein neues, sinfonisches Werk mit Aeham Ahamad als Solist zur Uraufführung. Buttler hat die Partitur zu diesem mehrsätzigen Werk, das noch keinen Titel trägt, bereits in Grundzügen stehen.  Bald beginnen die Proben mit der Jungen Vielharmonie. Damit wird dieses Vorhaben zum Kulturen überspannenden Education-Projekt in Kooperation zwischen der Marler Musikschule und der Christlich-Islamisch-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft in Marl und im Kreis Recklinghausen.

Für weitere Informationen:

Pressekontakt

Beatrix Ries und Hartmut Dreier

abrahamsfest@web.de


Links zu Artikeln
 
—————————————————————————–
In Damaskus – Text: Mohammad Belal
In Damaskus
In Damaskus fliegt der Müll Hinter die Exkremente von Eseln Zwei… drei… zehn
In Damaskus
Sehe ich meine ganze Sprache auf einem Monsterstiefel
Die vom Geheimdienst mit einer Peitsche geschrieben wurde.
In Damaskus
Sind die Namen aller Menschen gestickt
Mit Fäden von Krätze
Von der Geburt bis zum Jüngsten Tag und danach
In Damaskus
Überdeckt das Elend das ehemals vielzählige Lachen
Eines nach dem Anderen
Also, wovon sollte das Echo zurückprallen und nur Lärm verursachen?
In Damaskus
Schläft der Gefangene in seinem Bewusstsein im Stehen
Wie ein Galgen für immer Ihm ist es egal, ob “Assad…. oder verbrenne das Land“
In Damaskus
Setzt der Film „Gladiator“ seine bösartigen Episoden fort
Wir marschieren in die Arena mit dem Wissen, dass wir sterben werden
Die Assads und wir, die Bewohner dieses Landes
In Damaskus
Wurden die Dialoge mit der Pistole und mit Ziegeln geführt
Über das Schicksal der Völker und über Politik
Diejenigen, die einen ehrlichen Revolutionär getötet haben, denken, dass sie die
Macht bis in alle Ewigkeit haben
In Damaskus
Schlafen Hyänen auf der Leiche einer Frau
Im Bett ihres Todes Zieht sie ihre Eingeweide heraus und wirft sie in den Fluß Barada
In Damaskus
Werden die Trümmer transparent
Dann sehe ich ihr Lächeln in den Ruinen
„Hier ist mein Haus“ Sagt ein kleines Mädchen, „oder ich male es mir so aus“.
In Damaskus
Wird in einem Notitzbuch Alles von einem Detektiv aufgenommen, der dir folgt
Und es ist keine Mauer um dich herum, um dich vor deinem Flüstern in der Nacht zu
beschützen
In Damaskus
Sehe ich wie die Damaskus-Sonne versinkt Langsam, ganz langsam
Und wie unsere Götter uns vereinnahmen.