Aeham Ahmad ABUNUYA

ABUNUYA  Samstag, 19. Nov. 2022

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MZ 21.11.22

Eine intensiv geteilte Schwingung

Die Uraufführung von ABUNUYA überwältigte im Theater Marl über 700 Menschen 

Von Stefan Pieper

 

Auf einmal war alles Wirklichkeit, was in einem Jahr erdacht, entwickelt und erarbeitet worden war. Über 700 Menschen im Marler Theater feierten den charismatischen Pianisten Aeham Ahmad und das hochmotivierte Orchester der Jungen Vielharmonie unter der Leitung des Komponisten André Buttler mit lang dauernden, stehenden Schluss-Ovationen. Kompliment auch dafür, wie die CIJAG und die Stadt Marl in ihrem Engagement für die Kultur hier an einem Strang gezogen haben!

Nach einer etwas hektischen Generalprobe lief plötzlich einen Tag später alles rund. Die Aufregung vor dem Konzert hatte wohl viel positives Adrenalin gegeben, denn nichts motiviert so, wie die Live-Situation. Nicht umsonst gehören Orchester-Auftritte von Anfang an zum Musikschul-Unterricht dazu. Das neue Werk Abunuya ist von vielen musikalischen Erfahrungen des Filmkomponisten André Buttler, ebenso von Aeham Ahmads musikalischen Ideen aus der syrisch-osmanischen Musikkultur durchdrungen – und so ist auf großes musikalisches Kino im TM Verlass: Die vielen Stimmungswechsel zwischen ernst und pathetisch, zwischen schwungvoll-treibend und lyrisch, zwischen orientalisch und westlich-klassisch dürften eine Riesen-Herausforderung gewesen sein. Perfekt ist nicht alles bei der Uraufführung, aber die ständigen, gefühlsintensiven Überwältigungsmomente machen dies mehr als wett. Solist Aeham Ahmad ist tief in seiner Sache drin. Seine fantasievollen Soli entfalten eine Brillanz, die viele Kollegen seiner Zunft alt aussehen lassen. Er hat so viel tief Gefühltes in „seiner“ Musik zu sagen. Besonders nah kommt er den 700 Menschen vor ihm, als er als kunstvoll Singender zu ergreifender Höchstform aufläuft. Was schließlich dazu führt, dass das ganze Publikum, sichtlich ergriffen, in den Gesang „einsteigt“.

 

Das Orchester der Musikschule als hellhöriger Partner  

André Buttler am Dirigentenpult kann sich derweil auf hellhörige Interaktion des Orchesters verlassen. Zarte Streicherteppiche geben Raum für Aeham Ahmad, die fabelhafte Ney-Flötistin Beyza Köse und den syrischen Oud-Spieler Sami Mustafa. Beethovens „Ode an die Freude“ erhält durch eine choral-artige Umdeutung einen nachdenklichen Unterton. Das Lied „Glückauf der Steiger kommt“ schleppt sich minutenlang vorwärts in einem Rhythmus irgendwo zwischen Bolero und Trauermarsch – ein augenzwinkernder Abgesang auf den industriellen Strukturwandel im Ruhrgebiet? Am meisten aufklärerische Kraft entfaltet das Lied „Die Gedanken sind frei“, nun verdichtet zu einer sinfonischen Dramaturgie mit grandiosem Schlussfortissimo. André Buttlers Kalküle sind aufgegangen, um mit dieser Komposition mannigfaltige emotionale Anknüpfungspunkte für viele Menschen zu schaffen. Wie unmittelbar diese verstanden wurden und was für eine intensive emotionale Schwingung vor und hinter der Bühne im TM geteilt wurde, das hatte sich vorher wohl niemand träumen lassen.

Zur Webseite von ABUNUYA: www.abunuya.de

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ABUNUYA infotext englisch

 

Aeham Ahmad, an international pianist with a Syrian-Palestinian background, film music composer André Buttler and the Junge Vielharmonie, the youth symphony orchestra of the Music School of the City of Marl overcome all boundaries in the full-length composition ABUNUYA.

On 19 November, you can forget a lot of what you thought about a classical symphony orchestra until now: The composition ABUNUYA is indeed a concerto for piano and an orchestra of about 50 musicians. But the soloist Aeham Ahmad improvises freely from the moment in the seven (!) movements of the work. Jazz and classical symphonies come together, as do Orient and Occident. Arabic scales and the old tonal systems of Western music have the same origin anyway. And in the history of Western music, the great virtuosos also improvised on the concert podium.

 

Exploring such interfaces is the common artistic belief of Aeham Ahmad and André Buttler. ABUNUYA formulates directly understandable messages with the musical means of the present: At one point, for example, a quotation from Beethoven’s Ode to Joy is transposed into „Arabic“ diction. ABUNUYA responds with powerful musical appeals that need no words to current circumstances determined by war.

Since Aeham Ahmad and André Buttler received the commission to compose ABUNUYA, an intercultural dialogue between the two professional musicians has been alive: Aeham Ahmad played melodies from his jazz pieces on the piano, but also many new ideas. André Buttler listened in and transferred the material to the tonal palette of a symphony orchestra. A good asset here is the horizon of experience Andre Buttler already has with this orchestra. One thing can be relied upon on 19 November in the Marler Theatre: a fireworks display of musical and sonic surprises.

Aeham Ahmad

These television pictures from the Syrian war went around the world: in the middle of the bombed refugee camps of Yarmouk near Damascus, Aeham Ahmad plays on a mobile piano that he transports on a small handcart. Without sheet music or prior planning, simply following his own feelings to reach the souls of many uprooted people. In 2015, people from IS destroyed his instrument. Aeham Ahmad’s life was acutely threatened. He fled to Germany, where he has since built a career and recorded 12 (!) albums. But Aeham Ahmad’s artistic range is far too rich to reduce him to the cliché image of the „pianist in ruins“. He is a gifted jazz improviser, an excellently trained classical pianist, a sensitive singer – and also a prolific author. His autobiographical novel „And the Birds Will Fly“ became a bestseller. His latest book, Taxi Damascus, chronicles the reality of everyday life in today’s post-war Syria.
André Buttler and the Junge Vielharmonie

The composer and conductor André Buttler is concerned with the power of images in music. After extensive studies in Germany and the Netherlands, the native of Gelsenkirchen is in demand internationally in the film music business. Many of his productions have been awarded renowned prizes. Since 2016, André Buttler has led the Junge Vielharmonie, the youth symphony orchestra of the music school of the city of Marl. The young musicians are constantly growing with new musical challenges. The rehearsal of Karl Jenkins‘ peace oratorio „The Armed Man“ in 2018 marked a major highlight and was not least the initial spark for the ABUNUYA project.

Abrahamsfest and the CIJAG

ABUNUYA is a commissioned composition by the Christian-Islamic-Jewish Working Group Marl, District of Recklinghausen (CIJAG) for this year’s Feast of Abraham. Since 2001, this event has been the highlight of CIJAG’s intercultural activities. Since 1984, people from Christianity, Judaism and Islam have been working voluntarily and civically for peace and humanity. CIJAG’s creative networks feed on religious traditions and advocate respect in diversity and good neighbourliness. This includes advisory work on local political issues and the promotion of intercultural learning as well as encounters between mosque and church and synagogue communities. CIJAG has received numerous awards and honours for its commitment.

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Die Uraufführung ist schon jetzt nahezu „AUSVERKAUFT“, aber es wird Restkarten an der Tageskasse geben

 

Wir freuen uns riesig, dass unser Projekt ABUNUYA auf so viel Interesse stößt. Die Kehrseite der Medaille: Der größte Teil der freien Plätze im Marler Theater ist bereits gebucht!

Aufgrund begrenzter Platzkapazitäten müssen wir in diesem Moment mit sofortiger Wirkung den „Vorverkauf“ unserer Freikarten stoppen.

Wir halten aber ein gewisses Kontingent als Restkarten zurück.Diese werden am 19. November 2022 an der Tageskasse des Theaters verfügbar sein. Bitte kommen Sie rechtzeitig, um sich ein Ticket zu sichern. Die Theaterkasse öffnet um 16 Uhr, Einlass ist um 16:30h. First come first served….

Wer sich bislang per Mail oder über die ABUNUYA website angemeldet hat, steht natürlich auf unserer Liste und bekommt an der Theaterkasse sein Ticket ausgehändigt, ebenso bedanken wir uns für die rechtzeitigen Absagen, denn so können wir die freien Plätze weiter disponieren.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist probe-nov-3.jpg

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Samstag, 19. Nov. 2022 um 17 Uhr im Theater Marl: ABUNUYA – Die Welt kommt in Musik zusammen

Eintritt frei, Anmeldung unbedingt über i-Punkt Marl, Tel. 02365 – 99 43 10 oder Mail an: i-punkt@marl.de

 

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Abunuya-Probe am 18.09.22

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SA 19.Nov. 2022 um 19 Uhr im Theater Marl:

Uraufführung des gemeinsamen transkulturellen Musik-Stücks von Aeham Ahamd und René Buttler.

Im Blick auf diese Uraufführung schreiben wir heute über den Geist der transkulturellen Kooperation und musischen Bildung – in Marl, beim Abrahamsfest, in der Kooperation Stadt Marl/22. Abrahamsfest Marl:

Quelle: „ad libitum“- die Zeitung der Musikschule der Stadt Marl, Januar 2022, mit frdl. Genehmigung der Musikschule der Stadt Marl und von FLOER Design, Barbara Floer/Floer-design.de

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Highlights – Dauer ca 30 Minuten: aus dem Konzert mit Aeham Ahmad und Steve Schofield am 6. Nov. 2021

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Das gesamte Konzert mit Aeham Ahmad und Steve Schofield am 6.ov. 2021 in der Aula der Scharounschule Marl.

Pressemitteilung

Ein gelungenes Konzert für Frieden und kulturelles Miteinander

Der Pianist Aeham Ahmad und sein Gast Steven Schofield (Saxofon) spielten einen überragenden Auftritt in der Scharoun-Aula. Ceylan Arslan las aus dem von Aeham Ahmad soeben herausgegebenen Buch „Taxi Damaskus“. Die CIJAG ist erfreut und dankbar, dass sie wieder diesen international Ausnahmekünstler zu ihrem Abrahamsfest begrüßen konnte.  Ebenso dankt sie ihrem jungen Moderator*innen-Team aus den eigenen Reihen. Wir danken auch der Marler Presse für ihre ausführliche, würdigende Berichterstattung.

Marl. 7.November. Auf den syrischen Pianisten Aeham Ahmad ist Verlass. Auch darauf, dass keiner seiner Konzertauftritte wie der andere ist. Diesen Eindruck teilte auch Aeham Ahmads Manager Achim Schulz, der den Pianisten seit September auf seiner internationalen Tour begleitet. Tatsächlich war das Konzert in der Scharoun-Aula ein völlig anderes Erlebnis im Vergleich zum Streaming-Auftritt beim vorigen Abrahmsfest. In punkto Vielschichtigkeit hat Aeham Ahmads Liveperformance sogar noch zugelegt:

Spektakulär war gleich der Einstieg zum Konzert: Eine Variation über das Volkslied „Die Gedanken sind frei“, welches Aeham Ahmad nicht nur durch Dur und Moll, sondern auch durch arabische Skalen und ganz viele Jazz-Harmonisierungen auf die Reise schickte. Sein Umgang mit Tempi, Dynamik und radikalen Kontrastwirkungen ist atemberaubend. Als weiteres „Instrument“ wirkte seine Stimme in ergreifenden Gesangslinien. Auch wenn die Songtexte auf dem Cover der neuen CD in Übersetzung abgedruckt sind, so berührt die Emotionalität unmittelbar jedes Hintergrundwissen. Aeham Ahmad war an diesem Abend nicht allein: Wie eine weitere Stimme klinkte sich das Saxofonspiel von Steve Schofield ein. Phasenweise griff er zum Electronic Wind Instrument, einer Art „Synthesizer zum Hineinblasen“, der in der Popmusik der 1980er Jahre viel zum Einsatz kam, hier aber viel sphärischer, fast psychedelisch daher kam.

Das Konzert bekam einen Bezugspunkt, der sehr eindringlich aufs Publikum wirkte: Aeham Ahmads neues, zweites Buch. „Taxi Damaskus“ ist eine Sammlung von nicht-fiktionalen Berichten eines Cousins von Aeham, der in Damaskus seinen Lebensunterhalt mit Taxifahren verdient. Näher als in diesem Beruf kann keiner an der schwierigen, nicht selten schockierenden Nachkriegswirklichkeit in diesem geschundenen Land dran sein! Da der Abend mit „Music for Hope“ betitelt war, wirkte es angemessen, dass nicht die allerdrastischsten Passagen dieses Buches zum Vortrag kamen. Der Erwerb und das Weiterlesen sei aber ausdrücklich empfohlen. Die in knapper Form gehaltenen Berichte aus „Taxi Damaskus“ gehören zu den ungefiltertsten Primärquellen über die Folgen eines sinnlosen und chaotischen Krieges auf die Zivilbevölkerung. Auf die von Ceylan Arslan vorgetragene Schilderung von den desolaten Trümmerwüsten des palästinensischen Füchtlingslagers Yarmouk, dem einstigen Lebensmittelpunkt von Aeham Ahmad, reagierte dieser Musiker besonders emotional: Dunkle, atemlos wiederholte Akkordfolgen auf dem Klavier erzeugten eine bedrohliche und extrem kraftvolle Klangfläche, zu der Steven Schofield auf einer orientalischen Flöte einen Klagegesang anstimmte. Als echtes Zeichen der Hoffnung wirkte schließlich das Finale: Nochmal rückte Aeham Ahmad in seiner universellen Tonsprache einem symbolträchtigen Standard aus der deutschen Klassik zu Leibe, Beethovens „Ode an die Freude“.

Auch André Buttler, Dirigent der Jungen Vielharmonie zeigte sich von der fundierten Spielkultur Aeham Ahmads beeindruckt, ist sie doch Bestätigung für ein ambitioniertes Vorhaben im nächsten Jahr. Am 19. November 2022 kommt ein neues, sinfonisches Werk mit Aeham Ahamad als Solist zur Uraufführung. Buttler hat die Partitur zu diesem mehrsätzigen Werk, das noch keinen Titel trägt, bereits in Grundzügen stehen.  Bald beginnen die Proben mit der Jungen Vielharmonie. Damit wird dieses Vorhaben zum Kulturen überspannenden Education-Projekt in Kooperation zwischen der Marler Musikschule und der Christlich-Islamisch-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft in Marl und im Kreis Recklinghausen.

Für weitere Informationen:

Pressekontakt

Beatrix Ries und Hartmut Dreier

abrahamsfest@web.de


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