1. Abrahamsfest Marl Kreis Recklinghausen

www.abrahamsfest-marl.de                                                                            17.11.2019

Bericht: Rundreise I: Jugendliche erklären Jüngeren ihr Gotteshaus. - Gelungen und immer wieder spannend

Am Mittwoch, 13. Nov. 2019 machte sich eine Klasse der Jahrgangsstufe 8 der Martin Luther Schule in Marl auf Rundreise. Sie durchliefen in der Zeit von 10.30 – 16 Uhr die drei Stationen: Kirche – Moschee – Synagoge; als „Lernen am andern Ort“ , ein sehr abwechslungsreicher „Pilgerweg“. Wenn Jugendliche ihren Altersgleichen erzählen, was sie selber mit (ihrer) Religion „am Hut haben“, was ihr Gotteshaus für sie bedeutet und darstellt, ist das für alle spannend. Jugendliche aus der Schule  hören sehr aufmerksam zu, bringen sich selber im Fragen und im Miteinander ein.

Station 1 war die Kirche Herz Jesu in Marl-Hüls am Marktplatz. Herdak Hennek und Tristan Stockhorst – als „Meßdiener“ im Gottesdienst und in der Jugendarbeit aktiv und Schüler vom Gymnasium am Loekamp – führten souverän durch alles, was in dieser katholischen Kirche zu sehen ist. Kein Erwachsener im Hintergrund war helfend zugegen; auf sich selbst gestellt, gaben sie ihr Bestes.

Station 2 war die Fatih-Moschee, Bachackerweg 197, Marl-Hamm. Scharafeddin Lihehdheb und Mert Demircioglu – junge Aktive in der Moschee und Schüler von der Willy Brandt Gesamtschule – erklärten ihr Gotteshaus und erzählten von ihrem Glauben. Der junge Imam – Büynamin Gedik – ergänzte ein wenig. Anfangs hatten die SchülerInnen der Martin Luther King Schule am Mittagsgebet teilnehmen können. Abschließend trafen sich alle im Gemeindehaus neben der Moschee zum Mittagessen bei Pizza und Getränken, wo die beiden Moschee-„guides“ als Gastgeber aktiv waren und in lockerer Weise Gespräche fortgesetzt wurden.

Station 3 war die Synagoge in Recklinghausen, neben dem Polizeipräsidium. Xenia Abrosimova – selber aktiv in der Jugendarbeit der jüdischen Kultusgemeinde und Schülerin der Gesamtschule in RE-Süd – erklärte in ihrer herzlichen Art die Synagoge und warum sie Jüdin ist. Kantor und Vorbeter Isaac Tourgman zeigte abschliessend den Thora-Schrank. Für die SchülerInnen war es der erste Besuch einer Synagoge in ihrem Leben, und zum ersten Mal trafen sie jemand wie Xenia, vom jüdischen Glauben und Leben erzählend.

Die Lehrkräfte Klassenlehrerin Michaela Greif, die beiden Fachlehrkräfte Brigitte Bußmann und Willi Echterhoff sowie Integrationsfachkraft Denis Averbeck ebenso wie Hartmut Dreier vom 19.Abrahamsfest ergänzten den Dank der Schulklasse bei den engagierten Jugendlichen und den gastgebenden Gemeinden. Dieses vor einigen Jahren auf Vorschlag von Norbert Keller von der Martin Luther King Schule entwickelte „Format“ überzeugt durch die lebendige Auskunftsfreude und Haltung von Jugendlichen, wenn sie ihre Religion bzw ihr Gotteshaus erklären. Gleichzeitig öffnen sich dabei die SchülerInnen, wenn sie nicht von Erwachsenen (u.a. Pastoren, Imame, Rabbiner) unterrichtend belehrt werden sondern lebendige junge „Gläubige“ bei ihrem „Heimspiel“ erleben. Das war dieses Mal einfach schön: eine erkennbar muslimische Schülerin spielte spontan auf der Kirchen-Orgel von Herz Jesu.

Die nächste Rundreise (II) ist am MI 27. Nov. 2019 im gleichen Zeitraum, dann mit einer Schulklasse der Willy Brandt Gesamtschule und den 3 Stationen: St. Georgskirche in Alt-Marl, Fatih-Moschee (s.o.) und Synagoge in Recklinghausen (s.o.) in Begleitung von Beatrix Ries vom 19. Abrahamsfest.

Andere Schulen in Marl fragen übrigens inzwischen nach, wann sie mitmachen können. Und gleichzeitig bevölkerten an 4 Tagen vormittags und nachmittags 8 Klassen aus Grundschulen in Marl das Abraham-Haus in Workshops zum Thema „Wie Juden, Christen und Muslime leben und feiern“.

Das 19. Abrahamfest und Schulen – Grundschulen und Weiterführende Schulen – ermöglichen  „Lernen am andern Ort“ – vermutlich auch langfristig wirksam in Kindern und Jugendlichen.

Gez. Hartmut Dreier